Was kann ich bloß schreiben?
Verfasst am 4. März 2010 in Nachgedacht
Die Frage nach Sinn und Motivation des Bloggens für einen Läufer tritt immer wieder zu Tage. Manchmal in der Form, dass ein langzeitlicher Blogger von jetzt auf gleich beschließt, dass er nichts mehr mitzuteilen hat. Alles ist bereits geschrieben worden und es bedarf keine x-te Wiederholung der Beschreibung des immer wieder gleich Erlebten. Ein Recht, dass jeder wahrnehmen sollte, wenn ihm danach ist; können wir in unseren Breiten doch glücklich darüber sein, selbst entscheiden zu dürfen, ob und wie wir uns kundtun wollen.
Auch mir stellt sich des öfteren die Frage nach dem Warum. Die Welt hat sicherlich nicht vor Spannung zitternd auf mein Verfasstes gewartet. Anleitung oder Motivation für andere sein scheidet auch aus – dafür reicht meine Selbstüberschätzung dann doch nicht. Der einzige Grund, der sich nachhaltig bei mir durchgesetzt hat ist das Festhalten von Erinnerungen – für mich selbst. Habe ich eine gute Zeit? Geht es mir schlecht? Bin ich nachdenklich? Einen Beitrag zu verfassen bietet stets die Möglichkeit eine Momentaufnahme der eigenen Wahrnehmung für die spätere Begutachtung festzuhalten. Direkt vom Kopf über die Tastatur ins Netz; ungefiltert und bar jeder journalistischen Anonymisierung.
Und genau dies ist es, was mich immer wieder darin bestätigt, dass Bloggen das richtige für mich ist. Es wird wohl niemand außer mir in zwei Jahre alten Beiträgen blättern, hier und da bei Erinnerungen an manchen Moment schmunzeln oder noch einmal den Stolz der Selbstüberwindung nach besonders wichtigen Läufen fühlen. So wertlos einem das momentan geschriebene Wort erscheinen mag – in irgendeinem zukünftigen Moment werde ich mir vielleicht für genau diese Worte dankbar sein.
Und um genau dahin zu kommen: Mein gestriger Lauf war trotz erneut in meinen alten Adidas erlaufenen Blasen eine Erinnerung wert. Während ich tags zuvor noch nach rund einer halben Stunde platt war, wollte ich unbedingt zwölf Kilometer erlaufen – nur um zu wissen, was am kommenden Wochenende auf mich zukommt. Mit wenig Essen den Tag über, dazu nach bereits fünf Kilometern einer schmerzenden Blase am Fuß; optimale Bedingungen waren das nicht. Doch je weiter ich lief, desto frischer fühlten sich die Beine an. Die Sonne verfolgte einen auf Schritt und Tritt und wer eine Vorstellung vom “Spaß am Laufen” hat, wird verstehen, wie gut es sich anfühlte unterwegs zu sein. Und wo wir eingangs schon bei Erinnerungen waren; vor ziemlich genau zwei Jahren hörte sich ein ähnlicher Lauf folgendermaßen an:
Im Hinblick auf die zweite Veranstaltung der Winterlaufserie am Samstag wollte ich heute nur noch eine Runde entspannt laufen. 12 km; ohne den Körper groß zu fordern. (28.02.2008)
Auf diesem Niveau bewege ich mich momentan zwar noch nicht wieder, doch die Tatsache, dass ich einmal solche Worte gefunden habe, lässt mich zwei Dinge erkennen: Zum einen möchte ich wieder Grund haben, solche Worte zu finden und zum zweiten bin ich dankbar, dass ich mir diese Erinnerungen (bloggenderweise) bewahrt habe.
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6 Kommentare in “Was kann ich bloß schreiben?”
Verfasst von Sinusläufer am 4. März 2010
Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Ein schön zu lesender Beitrag.
Verfasst von Marco am 4. März 2010
Schöner Artikel,
ich sehe für mich das Boggen als virtuelles Tagebuch. Wie du schon gesagt bzw. geschrieben hast wird wohl niemand in zwei Jahre alte Beiträge außer man selber stöbern.
Toll beschrieben.
LG
Marco
Verfasst von Laufhannes am 4. März 2010
Absolut!
Ich habe auch schon oft selbst in meinen alten Berichten gelesen und mich daran erfreut.
Verfasst von ultraistgut am 4. März 2010
Warum sollte man immer nach dem Sinn fragen, tue es einfach, schreibe dir alles von der Seele, wonach dir gerade ist.
Genau das tue ich auch, es macht Spaß, seine Gedanken nach dem Laufen (die zumindest bei mir, oft euphorisch sind) nieder zu schreiben, sie schwarz auf weiß zu haben und damit nicht zu vergessen.
Und dir offensichtlich auch !
Verfasst von Frollein Holle am 5. März 2010
Solange etwas Spass macht, sollte man es einfach tun – ganz ohne Sinnfrage
Und mir macht es auch Spass hier zu lesen…also…blog on, blog on
Verfasst von 42195-blog.de am 6. März 2010
@Sinusläufer:
Danke, das freut mich zu hören.
@Marco:
Hallo Marco, interessant zu hören, dass es also nicht nur mir so zu gehen scheint.
@Laufhannes:
Und man möchte keinen einzigen alten Beitrag missen, nicht wahr?
@ultraistgut:
Recht hast du. Wenn andere am Lesen ihre Freude habe ist das ein Bonus, nicht die sinngebende Notwendigkeit.
@Frollein Holle:
Das freut mich wirklich sehr zu hören und ich wünsche mir, dass das so bleibt. Ich kann aber nichts versprechen;)
@Alle:
Da scheine ich ja einen Nerv getroffen zu haben. Interessant, dass ich mit diesen Gedanken nicht allein bin.